Berliner
Stolpersteine gegen das Vergessen

  • Stage-1: Verlegte Stolpersteine in Berlin - Ortrudstr.
  • Stolpersteine: Ilse Glaser und Ismar Jakubowski

Ortrudstr. 7

Einleitung

Auch in unserem Haus, in der Ortrudstraße 7, gab es einmal jüdisches Leben. 
Wir - die heutigen Mieter – schließen uns der Aktion des Kölner Bildhauers Gunter Demnig an, mit den so genannten Stolpersteinen an die Mitbürgerinnen und Mitbürger zu erinnern, die im National­sozialismus vertrieben, deportiert und ermordet wurden. Demnigs Intention ist unter ande­rem, den NS-Opfern, die in den Kon­zen­trationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurückzugeben[1].

Um eine Recherche über ehemalige Mieter in der Ortrudstraße 7 zu beginnen, musste zu­nächst geklärt werden, ob die Hausnummer mit der vor dem Krieg identisch ist, denn durch die Zerstörungen im 2. Weltkrieg sind Häuser und ganze Straßenzüge regelrecht ausradiert worden. Die Ortrudstraße 7 ist aber mit der vor dem Krieg identisch[2].

Die Recherche zu ehe­ma­ligen jüdischen Mitbewohnern unseres Hauses, die auf den fol­genden Seiten dokumentiert ist, hat ergeben, dass in der Ortrudstraße 7 das Ehepaar Ilse und Siegfried Glaser sowie Ismar Jakubowski gewohnt haben. Allerdings konnte in den Unterlagen der Volks­zäh­lung die kon­kre­­te Wohnung der drei in der Ortrudstraße 7 nicht ermittelt wer­den.

Diese ehemaligen Bewohner waren „Volljuden“ nach den Rassekriterien der Volks­zäh­lung von 1939, d. h. sowohl väterlicher- wie mütterlicher­seits hatten sie jüdische Eltern und Groß­eltern (JJJJ)[3].  Keiner der drei wurde aus der Ortrudstraße direkt in ein Konzen­tra­tions­lager deportiert. Unser Haus war aber wahrscheinlich ihr letzter freiwillig ge­wählter Wohn­sitz, weshalb wir ihrer an dieser Stelle gedenken wollen.

Unsere Recherche hat ergeben, dass nur zwei Stolpersteine vor unse­rem Haus gelegt wer­den können: für Ilse Glaser und Ismar Jakubowski. Doch hat es in ihrem unmittelbaren sozialen Um­feld weit mehr Opfer gegeben, denen in dieser Dokumentation (siehe Suchanzeigen) ebenfalls ge­dacht werden soll. Die Recherche ist in dieser Hinsicht noch nicht ganz vollständig. Doch eine solche Recherche ist nie zu Ende.

 

[1]   Geschichte auf arte: „Mit Kopf und Herz stolpern“ / Stolpersteine gegen das Vergessen

[2]   Hannelore Emmerich, Archiv zur Geschichte von Tempelhof und Schöneberg, vom 15. April 2009

[3]   Bundesarchiv, Bestand R 1509 (Reichssippenamt), Volkszählung vom 17. Mai 1939